GALERIE DER ERINNERUNG
dokumentation

EntArteOpera

 

PROJEKTE

entartet

"Entartete Kunst" war während der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland der offiziell propagierte Begriff für mit rassentheoretischen Begründungen diffamierte Moderne Kunst. Der Begriff "Entartung" wurde Ende des 19. Jahrhunderts von der Medizin auf die Kunst übertragen.
Als "Entartete Kunst" galten im NS-Regime alle Kunstwerke und kulturellen Strömungen, die mit dem Kunstverständnis und dem Schönheitsideal der Nationalsozialisten nicht in Einklang zu bringen waren: Expressionismus, Dadaismus, Neue Sachlichkeit, Surrealismus, Kubismus oder Fauvismus.
Das Wort "Entartung" stammt ursprünglich aus dem Mittelhochdeutschen, wo es die Bedeutung "aus der Art schlagen" hatte. Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff erstmals in abwertendem Zusammenhang benutzt, als der Romantiker Friedrich Schlegel in Bezug auf die Dichtung der Spätantike von "entarteter Kunst" schrieb.
Die Nationalsozialisten entwickelten ein gesondertes Kunstideal und verfolgten dem entgegenstehende Kunst, die auch als "Verfallskunst" und "artfremd" bezeichnet wurde, weil sie von Pessimismus und Pazifismus geprägt sei. Künstler, deren Werke nicht den nationalsozialistischen Idealen entsprachen, die Kommunisten oder Juden waren, wurden verfolgt. Die Nationalsozialisten belegten sie mit Berufs- und Malverboten, ließen ihre Kunstwerke aus Museen und öffentlichen Sammlungen entfernen, konfiszierten "Entartete Kunst", zwangen Künstler zur Emigration oder ermordeten sie.
Es gab drei konsequente Diffamierungs-Maßnahmen der NS-Kulturpolitik: Bücherverbrennungen im Mai 1933 in Berlin und 21 weiteren Städten sowie nach dem Anschluss Österreichs 1938 auch dort, Verfolgung der Maler und ihrer "entarteten Kunst" und Verfolgung der "entarteten Musik" an den Reichsmusiktagen 1938 in Düsseldorf.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Entartete_Kunst


entartete musik

nationalsozialistischer Begriff nach der Ausstellung "Entartete Kunst" (1937) zur Kennzeichnung von Musik, die im Wesentlichen nicht in das weltanschauliche Konzept des Nationalsozialismus passte.
Was man unter "entarteter Musik" verstand, zeigte eine Ausstellung im Kunstpalast in Düsseldorf während der ersten Reichsmusiktage vom 22. bis 29. Mai 1938. Unter den verfemten Künstlern waren Komponisten wie P. Hindemith, A. Schönberg, K. Weill, A. Webern, A. Berg, L. Fall, P. Abraham und F. Hollaender. Dirigenten, Kritiker, Musikpädagogen, Musikwissenschaftler und ihre Werke wurden des "Kultur- und Musikbolschewismus" beschuldigt. Viele der als "entartet" verleumdeten Komponisten emigrierten nach 1933 oder waren, wie Schönberg, schon emigriert. In den 1990er-Jahren ist das Werk zahlreicher verfolgter Komponisten wieder entdeckt und durch Aufführungen rehabilitiert worden, u. a. das von den in Theresienstadt inhaftierten und in Auschwitz ermordeten V. Ullmann, Hans Krása (1899 - 1944), Pavel Haas (1899 - 1944) und Gideon Klein (1919 - 1945).

Literatur: Verdrängte Musik. NS-verfolgte Komponisten und ihre Werke. Schriftenreihe, hg. im Auftrag von Musica Reanimata, Förderverein zur Wiederentdeckung NS-verfolgter Komponisten und ihrer Werke e. V. (1991ff.);
F. K. Prieberg: Musik im NS-Staat (Sonderausg. 2000)


entartete musik

Der Begriff "Entartete Musik" (analog zu "Entartete Kunst") bezeichnete während der Zeit des Nationalsozialismus vor allem die musikalische Moderne, die der Ideologie der Nationalsozialisten widersprach. Der Nationalsozialismus in Deutschland sah sich nicht nur als politische, sondern auch als kulturelle Bewegung, die ganz bewusst mit dem kulturellen Pluralismus der Weimarer Republik brach. Komponisten der Moderne wurden als so genannte Vertreter der Entarteten Musik politisch verfolgt, darunter "nicht-arische" Künstler wie Arnold Schönberg, Ernst Krenek, Kurt Weill, Hanns Eisler, Franz Schreker, Erwin Schulhoff und Ernst Toch, aber auch "arische" Komponisten wie Anton Webern, Paul Hindemith und Igor Strawinsky. Auch das Werk bereits verstorbener Künstler wie Alban Berg war betroffen.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Entartete_Musik


entartete musik

"Entartet", ein zeitloser Begriff

Zitat aus dem "Lexikon der Juden in der Musik" 1940:
"Die wichtigste Frage, ob eine der Art nach Wagner ähnliche Begabung überhaupt noch einmal wiederkehren würde, (...) diese Frage ist jetzt beantwortet: Franz Schreker ist eine solche Begabung!" schrieb Paul Bekker, Musikkritiker der Frankfurter Zeitung.
"Der Messias der deutschen Oper wurde Direktor der Berliner Hochschule für Musik!"

Beide, Paul Bekker und Franz Schreker, wurden unter entartet, aus rassischen Gründen geführt. Schreker wurde 1932 aus der Direktion der Berliner Musikhochschule vertrieben und starb 1934. Paul Bekker wurde ausgebürgert und starb 1937 in New York.

In der Ausgabe des Völkischen Beobachters vom 22.12.1940 findet man zum Begriff der Entarteten Musik einen Satz, der die offizielle Denkweise des Nationalsozialismus in Sachen Kunst bezeichnet:
"Reinliche Scheidung heißt die Verpflichtung, die uns die deutsche Kunst auferlegt. Um sie voll und ganz erfüllen zu können, ist die genaue Kenntnis aller rassenfremden Elemente notwendig."
Wesentlich für die Definition von entartet ist die Tatsache, dass sich die Suche nach der reinen deutschen Kunst gegen jede Art von moderner Kunst und nicht nur gegen Juden wandte. Kommunisten, Andersdenkende waren genauso betroffen. Es half aber der nationalsozialistischen Ideologie, wenn einer der Künstler auch noch Jude war.
Musik, als Kunstgattung, war nicht alleine: Literatur, Film, Architektur, Kabarett waren genauso betroffen. Der Begriff der entarteten Kunst ist auch heute noch auf den Nationalsozialismus fokussiert, auf die gewaltsame Durchsetzung einer rein deutschen Kunst. Der rassisch dominierte Ansatz allerdings war durch Autoren in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts vorgegeben: Richard Wagner 1850, Graf Gobineau 1853, Max Nordau 1892 uam. Nur die Doktrin, "Moderne Kunst ist entartet" blieb der Zeit des Nationalsozialismus vorbehalten und wird als Begriff auch heute so rezipiert.

Die Reflexion dieser Zeit ist wichtig.
Der Gedanke des Ausgrenzens ist heute mehr denn je in unserer Gesellschaft vorhanden. Ausgrenzungen von anderer Kunstrichtungen aus Konkurrenzgründen oder einfach aus Faulheit hinzudenken, sind auch heute existent:
Bekanntes gegen Unbekanntes, Klassik gegen fast alles, der Jazz untereinander, die Eurozentrik der Musik- vor allem in Österreich, das meint der Mittelpunkt der Musikwelt zu sein, Neue Musik gegen die Gesellschaft, junge Kreative gegen das Establishment der Kunst: Baden Baden, Salzburg uam.

Es wäre verfehlt den Begriff "entartet" dafür zu verwenden.
Und doch ist der Versuch sich die Kunst untertan und verfügbar zu machen in uns latent vorhanden und das gilt es immer im Bewusstsein zu halten.

Wolfgang Winkler EntArteOpera 2013


das verdächtige saxophon. "entartete musik" im ns-staat

mehr Information zur NS-Ausstellung "Entarte Musik" und zur kommentierten Rekonstruktion zur Düsseldorfer Ausstellung von 1938 Das Verdächtige Saxophon. "Entartete Musik" im NS-Staat

unter projekte - entarteopera 2013 - ausstellung


Besuchen Sie uns auf Facebook