GALERIE DER ERINNERUNG
dokumentation

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Martin Sieghart

2014

sinnlichkeit und aufbegehren

Sinnlichkeit und Aufbegehren
Martin Sieghart kommentiert und dirigiert

Ludwig van Beethoven // Sinfonie Nr. 3 "Eroica" (1802/03) in Es-Dur, op.55
Karl Amadeus Hartmann // Concerto funèbre für Violine und Streichorchester (1939)
Ludwig van Beethoven // Sinfonie Nr. 4 (1806) in B-Dur, op60

Israel Chamber Orchestra

Musikalische Leitung // Martin Sieghart

Violine // Thomas Albertus Irnberger

Konzert 13.9. 19:30
Bad Ischl // Kongress&Theater Haus

Konzert 15.9. 19:00
Tabakfabrik Linz // in Kooperation mit dem Internationalen Brucknerfest Linz 2014


sinnlichkeit und aufbegehren

Verehrtes Publikum unserer heutigen Akademie

So oder so ähnlich mochte sich ein Veranstalter seiner Zeit an die Zuhörer gewandt haben, ehe er eine Soirée mit Werken Beethovens angekündigt hat. Und diese Konzerte dauerten nicht selten mehrere Stunden, denn man spielte mindestens zwei Symphonien, ein Klavierkonzert, mehrere Ouvertüren und Gesangswerke. Kurz: Man durfte sich an so einem Abend nichts mehr vornehmen. Rechnet man den Appetit des Publikums und, man verzeihe mir: die schwierigen hygienischen Gegebenheiten dieser Zeit dazu, könnte es gut und gerne von 19:00-23:00 dauern, bevor der letzte Ton verklungen war. Unwillkürlich denke ich an die Tradition in Frankreich, wenn Künstler einander unmittelbar vor dem Auftritt ein "merde", also "Scheiße" zurufen. Das hat bedeutet, dass man sich wünschte, dass der Erfolg so groß werde und der Applaus entsprechend lange dauere, dass die wartenden Pferde vor ihren Kutschen ein zutiefst tierisches Müssen nicht mehr unterdrücken könnten.
Nun, wir spielen Beethoven und Hartmann, aber es wird doch dauern, ein längerer Abend wird es. Und er soll es werden. Ich träume von einem Abend, den Sie, verehrte Damen und Herren, wirklich Beethoven, Hartmann und uns Ausführenden widmen. Von dem Sie schon vorher wissen, dass er ein offenes Ende haben wird, weil ich mir ersehne, dass wir danach nicht sofort auseinander laufen, sondern dass das Gehörte reflektiert wird, dass Sie über meine Einleitungen sprechen wollen und die Weine ausgiebig Ihrer musiktauglichen Prüfung unterziehen.
Eine "Akademie" soll es werden. Auch wenn draußen keine Pferdekutschen stehen. Wir Künstler werden vor dem Auftritt den Brauch des Spuckens über die Schulter beibehalten und keine schlimmen Wörter verwenden. Und uns dennoch sehr bemühen, Ihnen einen schönen Konzertabend zu schenken.

Martin Sieghart


sinnlichkeit und aufbegehren

Ludwig van Beethoven // Sinfonie Nr. 3 "Eroica" in Es-Dur, op. 55

Beethovens "Eroica" entstand in den Jahren 1802/03. Mit einer Länge von fast 50 Minuten und einem deutlich vergrößerten Orchesterapparat übertraf sie alles, was es an Sinfonien bis dahin gegeben hatte. Der gewaltige Kopfsatz führt die Sonatenform in neue Dimensionen. Der zweite Satz ist ein dreiteiliger Trauermarsch in Moll und Dur. Der dritte Satz bringt zum ersten Mal ein Scherzo anstelle des klassischen Menuetts. Den Schluss bildet ein ausufernder Variationensatz mit Coda. Beethoven widmete das Werk zunächst Napoleon, in den er wie viele seiner Zeit große Hoffnungen gesetzt hatte. Später zerriss er die Titelseite, nachdem er erfahren musste, dass sein Idol sich in Paris selbst zum König gekrönt hatte.

Karl Amadeus Hartmann // Concerto funèbre für Violine und Streichorchester

Im Jahr 1939 schrieb der Münchner Komponist K. A. Hartmann unter dem Eindruck der Okkupation der Tschechoslowakei sein "Concerto funèbre", seine bekannteste Komposition. Hartmann war (im Gegensatz zu seiner Musik, die den Nazis kaum gefallen hätte) kein Verfolgter. Allerdings artikulierte er sehr deutlich seine Ablehnung des herrschenden Regimes und zog sich in die künstlerische Isolation zurück. Die Hussitenmelodie "Die ihr Gottes Streiter seid" bestimmt den ersten Satz. Das Adagio ist ein ausdrucksvolles Ringen der Violine um die verloren gehende Freiheit. Im stampfenden Allegro di molto gibt das Orchester den Ton an - die Schreckensvision des Krieges zieht vorüber. Der ruhige letzte Teil mit einem aus dem Russischen übernommenen Lied "Für die gefallenen Revolutionäre" ist der Totengesang für alle Gefallenen und Zurückgebliebenen.

Ludwig van Beethoven // Sinfonie Nr. 4 in B-Dur Op. 60 (1806)

Beethoven vollendete seine vierte Sinfonie im Jahr 1806, und schon zu Lebzeiten des Komponisten erfreute sie sich großer Beliebtheit. Aufgrund seiner Liebe zur Comtesse Josephine Brunsvik befand er sich damals in einem seelischen Hochgefühl, was sich in der Lebensfreude der Sinfonie zeigt. Nach einer langsamen Einleitung sprudelt der erste Satz nur so vor Heiterkeit. Den zweiten Satz charakterisieren eine Art "unendlicher Melodie" und geradezu visionäre Klangfarben. Nach dem neuartigen Scherzo der "Eroica" ist der dritte Satz hier wieder ein klassisches Menuett. Das Sonatenfinale mit Coda im 2/4-Takt bildet den fröhlichen Kehraus.

Volkmar Putz


martin sieghart - dirigent

Martin Sieghart Martin Sieghart: in der musikalischen Tradition Wiens aufgewachsen, am Klavier, dem Violoncello und an der Orgel ausgebildet; Solo-Cellist der Wiener Symphoniker, seit 1986 Dirigent namhafter Orchester wie Philharmonia London, Residentieorkest Den Haag, Tschaikowsky Symphonieorchester Moskau, RSO Berlin, Wiener Symphoniker, Rai Rom, RSO Wien, Mozarteumorchester Salzburg, WDR Köln; Ab 1990 Chefdirigent des Stuttgarter Kammerorchesters, 1992 für acht Jahre Chefdirigent des Bruckner Orchesters Linz und der Linzer Oper, 2003 -2009 Chefdirigent des Arnhem Philharmonic Orchestra; Gründer und langjähriger Intendant des Opernfestivals "Mozart in Reinsberg"; Seit 2000 ist Martin Sieghart Universitätsprofessor in Graz und leitet dort die Dirigentenausbildung.
Homepage: www.martin-sieghart.com/


israel chamber orchestra

ICO Das Israel Chamber Orchestra wurde 1965 von Gary Bertini gegründet, der es 10 Jahre leitet. Seit Februar 2013 ist Yoav Talmi Musikdirektor des ICO. Viele namhafte Künstler haben mit dem ICO zusammengearbeitet so wie Mstislav Rostropovich, Vladimir Ashkenazy, Isaac Stern, Itzhak Perlman, Pinchas Zukerman, Paul Tortelier, Yefim Bronfman, Kryzstof Penderecki, Christoph Eschenbach, Tabea Zimmermann. Das Repertoire des ICO reicht vom frühen Barock bis zur zeitgenössischen Musik. Tourneen führten das ICO nach Europa, USA, Kanada, Südamerika und in den Fernen Osten, sowie zu vielen renommierten internationalen Festivals.  Homepage: www.ico.co.il/En/


thomas albertus irnberger - violine

Thomas Albertus Irnberger Thomas Albertus Irnberger, 1985 in Salzburg geboren, begann im Alter von sieben Jahren mit dem Violinunterricht. Aufgrund seiner bereits frühzeitig auffallenden Begabung wurde er mit neun Jahren als außerordentlicher Student in die Hochbegabtenklasse des Salzburger Mozarteums aufgenommen. Weitere Studien führten ihn nach Linz an die Bruckneruniversität zu Josef Sabaini, und nach Paris zur Violinlegende Ivry Gitlis. Seine Teilnahme an zahlreichen Wettbewerben im In- und Ausland sowohl als Solist als auch als Kammermusiker wurde mit insgesamt 16 ersten Preisen bedacht. Thomas Albertus Irnberger konzertiert in zahlreichen Kulturmetropolen Europas und ist Gast bei renommierten internationalen Festivals. Seine CD-Einspielungen wurden ausgezeichnet und von der Presse hochgelobt.     Homepage: www.thomas-albertus-irnberger.com/